Der Wandel der Göttin

Eyes    Schon vor undenklichen Zeiten (noch vor dem Christentum) verehrten die Menschen der Agrargesellschaften eine Mutter Göttin, auch sogenannte Große Göttin, die in manigfaltige Gestalten auftrat. Man geht sogar davon aus, daß dieser Glaube schon in grauer Vorzeit gegen Ende der paläolithischen Periode entstand, als der Homo sapiens den Homo neanderthalensis ablöste. Während die Höhlenmalereien dieser Zeit meist Tiere und manchmal auch Männer zeigten, stellen fast alle Skulpturen die bisher gefunden wurden Frauen dar (auch als Venus-Figuren bekannt). Im allgemeinen sind sie nackt, dickleibig und fast gesichtslos. Die überbetonten Hüften, Busen und Schamdreiecke weisen auf das Fruchtbarkeitssymbol hin. Es wird vermutet, daß diese Figuren Teil einer damals herrschenden Religion waren, die die Große Göttin verehrte. Doch dieser Status geriet langsam ins wanken. Joseph Campell bemerkte dazu: “Zweifellos wurden die magische Kraft und das Wunderbare der weiblichen Natur in den Anfangstagen der Menschheitsgeschichte als ebenso großartig empfunden wie das Universum selbst; und das verschafft der Frau eine ungeheure Macht, die zu brechen, zu kontrollieren und für seine eigenen Zwecke zu nutzen eines der größten Anliegen des männlichen Teil der Menschheit war.” (Wohlgemerkt kommen diese Worte von einem Mann und nicht von einer Emanze.) In der Jägergesellschaft wurde die Frau zwar verehrt, aber im Leben wurden ihr eher niedere Arbeiten zugewiesen, während der Mann die Nahrung beschaffte.

   Etwa im 5. Jahrtausend v.Chr., als sich die Ackerbaugesellschaften des Neolithikums entwickelten, erlebte diese Religion im Alten Orient ihre Blütezeit. Die gesellschaftliche Stellung der Frau stieg als sie nun nicht nur mehr für den Nachwuchs sorgen mußte, sondern auch für Aussaat und Ernte und somit für die Nahrung mit verantwortlich war. Im Bewußtsein beider Geschlechter entwickelte sich daraus eine symbolische Veknüpfung der Frau mit der Schöpferkraft der Erde. Die Göttin verkörperte Zeit, Raum und Materie, innrhalb derer jegliches Leben seinen Anfang nahm aber ebenso endete um im ewigen Kreislauf wieder den Lebenfunken zu erhalten.

Mond    Als im 4. Jahrtausend kriegerische Völker und Invasoren aus Europa, dem südlichen Rußland und Arabien eintrafen, kam mit ihnen auch die Unterdrückung der Mythen von der Muttergöttin. Durch Herausbildung ihres eigenen Pantheons von männlichen, kriegerischen Gottheiten (Jahwe, Zeus) veränderten sie den Charakter der Muttergöttin in eine geradezu bösartige Furie. Viele Sagen und Geschichten der damaligen Zeit veranschaulichen diese “Göttin”. Gute Beispiele dafür sind Medus (sie hatte Schlangenhaare und verwandelte Menschen mit ihrem Blick zu Stein) und die Zauberin Circe (sie verwandelte Menschen in Tiere). Diese klassischen mythologischen Gestalten hatten keine Ähnlichkeit mehr mit den Muttergöttinen früherer Kulturen, behielten aber die zwei Gesichter von Gut und Böse, die von jeher ein Merkmal der weiblichen Gottheit gewesen waren.

   Diese beiden Seiten spiegelten sich auch in den Vorstellungen über Hexen wieder, die Weiße und Schwarze Magie praktizierten. Im allgemeinen galt eine Hexe als jemand der magische Praktiken anwandte, wie die Zubereitung von Liebestränken, Talismane und Amulette zum Schutz vor Verletzungen und die Nutzung von Heilkräften. Sie waren meist friedlich und verehrten keine Dämonen (wie die katholische Kirche es später behauptet). Zwar wurden Hexen und Zauberer geduldet, bei einem Malefizium jedoch wurde die entsprechende Person wie bei jedem anderen Verbrechen bestraft. Dieser rationale Standpunkt konnte sich jedoch nicht ewig halten. Mit der “Bekehrung” zum Christentum verlangte man von den Menschen Loyalität und Unterordnung. Es erwies sich als sehr nützlich die Vorstellungen der diabolischen Hexerei weiter festzuschreiben um den noch recht schwachen Einfluß im Mittelalter zu festigen. Die Ausrottung hetzerischer Gegner und die Unterdückung von Überbleibseln heidnischer Religionen stand dabei im Vordergrund. Ganz sollten ihnen dies jedoch nicht gelingen, wie viele christliche Festtage beweisen die eigentlich heidnischen Ursrpungs sind (z.B. Weihnachten und Ostern).

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