Die Geschichte der Hexenverfolgung

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[Foltermethoden] [Hexenprobe]

Hochzeitsfest (1568) Im allgemeinen wurden die Hexen eigentlich immer geduldet. Insbesondere jene, denen Heilkräfte nachgesagt wurden oder die Unglück fernzuhalten vermochten, wurden von den Bürgern geschätzt. Selbst die Kirche noch weltliche Autoritäten sahen einen besonderen Anlaß oder einen Nutzten darin Hexen zu verfolgen. Ab dem 14. Jahrhundert jedoch entwickelte sich geradezu ein wahnhafter Haß gegen Hexen, die zunehmends mit Ketzern gleich gestellt wurden. Die Hysterie erfaßte Frankreich, Italien, Deutschland, Niederlande, Spanien, England, Schottland, Österreich, Norwegen, Finnland, Schweden und für kurze Zeit sogar die Neue Welt. Aufgrund des zunehmend schlechter werdenden Klimas kam es immer häufiger zu Bezichtigungen. Die Nachbarn, gottesfürchtige Christen, ja sogar eigene Familienangehörige wurden der Hexerei beschuldigt. Die Opfer wurden angeklagt, was einem Schuldspruch gleich kam und somit einem unweigerlichen Todesurteil. Durch unvorstellbare Folter gepeinigt gestanden die vermeintlichen Hexen alles, auch wenn es ihnen noch so absurd erschien. Dieses Schuldbekenntnis war nötig um die anschließende Hinrichtung durch Verbrennung durchführen zu können. In Deutschland erreichte die Hexenverfolgunng Mitte des 17. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Man geht davon aus ,daß ca. 200 000 Menschen diesem Wahn zum Opfer fielen. Die tatsächliche Zahl bleibt jedoch ein Geheimnis, da viele der Gerichtsunterlagen verloren gingen.

   Nach dem Untergang des röm. Reichs war die Kirche die einzige Institution mit genügend Einfluß, um eine Art Ordnung und allgemeine Kultur aufrechtzuerhalten. Zunehmend dehnte sich dieser Einfluß auf alle Lebensbereiche der Menschen aus, die zu diesem Zeitpunkt immer noch mit heidnischen Anschauungen wie Fruchtbarkeitsriten und heidnischen Festtagen verbunden waren. Da die Kirche es nicht schaffte dies zu unterdrücken, versuchte man die heidnische Religion in die kirliche mit einzubeziehen. Heidnische Feste wurden ganz einfach in den Kirchenkalender aufgenommen. So wurde aus den röm. Saturnalien der Heilige Abend und um von Samhain am 31. Oktober (Winteranfang und keltisches Neujahr) abzulenken erklärte die Kirche den 1. November zum Allerheiligenfest. Dieser Schachzug funktionierte jedoch nicht im gewünschten Maße. Um die tief verwurzelte Religion der Hexe+Unhold Heiden nun entgültig zu unterbinden erklärte man die vorchristlichen Gottheiten kurzer Hand zu Dämonen. Wer diesen nun huldigte oder Opfer darbrachte beging ein Sakrileg und mußte mit schwer wiegenden Konsequenzen rechnen. Auch Zauberer und Hexen die magische und okkulte Praktiken abhielten wurden als Gefahr angesehen. Zudem kam ein neuer sich festigender Aspekt, der Hexen als Diener des Teufels ansah. Hexerei wurde somit der Lossagung von Christus gleichgesetzt. Die Vorstellungen einer Hexe wurden immer absurder. Es wurde behauptet sie reiten auf einem fliegenden Besen durch die Nacht und könnten sich in Tiere verwandeln. Man stellte sich menschenfressende Stringen (Gefährtinnnen der Göttin Hekates) vor, die es besonders auf Kinder abgesehen haben. Die Vorstellung von sexuellen Orgien auf dem Hexensabbat mit Dämonen und dem Teufel ließ das Volk erschaudern

   Die Inquisition, das offizelle Instrument zu Durchsetzung vatikanischen Rechts (eine nette Umschreibung für Massenmord) nahm 1233 ihren Anfang. Noch weitere 5 Jahrhunderte sollten vergehen, in denen Hexen, Häretiker und Ketzter zu hundertausenden vernichtet wurden. Von Frankreich über Italien gelangte der Hexenwahn schließlich auch nach Deutschland. Mit der Inquisition trat ein Vertreter der Kirche als Kläger und Richter auf. Durch seine Position war dieser relativ gut geschützt. Früher mußte der Kläger mit der selben Bestrafung rechnen, die die angebliche Hexe zu erwarten hatte, wenn diese als solche nicht überführt werden konnte. Der Inquisitor jedoch hatte sogar das Recht den Angeklagten zu verhören, wenn nötig sogar mit Folterung. Die Inquisition erwies sich als wirksames Unterdrückungsinstrument, das nun auch gegen Hexen eingesetzt wurde. Der 1. bekannte Hexenprozeß war in Irland. Das Dienstmädchen Petronilla wurde der Hexerei bezichtigt, exkommuniziert und am 3. November 1324 als erstes Opfer der Hexenjagd bei lebendigem Leibe auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Ihre Herrin Dame Alice Kyteler, die ebenfalls bezichtigt wurde, konnte fliehen.Das erlassene Dekret von Papst Johannes löste auf dem Festland eine wahre Flut von Hexenprozessen aus. Es gab zahlreiche Opfer, denen die den absurdesten Vergehen beschuldigt wurden.

    Gerade als die Hexenhysterie begann sich zu verringern, wurde der “Hexenhammer” (jeder Hexe ist dies ein Begriff) veröffentlicht (1486). Die Autoren dieses Buches mit dem Titel Malleus Maleficarum, waren Heinrich Kramer und Jakob Sprenger (beide Inquisitoren in Deutschland). Sie forderten darin die Christen auf die Inquisitoren mit allen Mitteln zu unterstützen. Zudem enthielt es alles was über das Hexenwesen bekannt war. Vielfach wurde es auch als Handbuch zur Hexenverfolgung genutzt. Juristische Belehrungen zur Prozeßfürhung und Zeugenvernehmung waren genauso aufgeführt wie die Anregung die Wirksamkeit durch Folter zu erhöhen. Der Hexenhammer wurde in deutsch, französich, italienisch und englisch veröffentlicht und war weit verbreitet.

henker     An Hexenjägern mangelte es anscheinend nie. Zu den besonders “eifrigen” gehörte z.B. Nicholas Rémy, Generalstaatsanwalt von Lothringen. Er brüstete sich damit 900 Hexen in nur 15 Jahren verurteilt zu haben. Pierce de Lancre (Süd-West-Frankreich) verfiel in einen Hexenwahn. Er war davon überzeugt, daß jeder seiner Gemeinde eine Hexe wäre. 600 Opfer wurden in nur 4 Monaten von ihm auf den Scheiterhaufen gebracht. Schließlich revoltierten die Bürger jedoch und 1 Jahr später fand man ihn erschlagen auf. Dies sind aber bei weitem nicht die Ausmaße wie sie in den deutschen Staaten vorkamen. Im 16. Jahrhundert wurden in der Region um Trier 2 Dörfer buchstäblich ausgelöscht und in einem anderen Dorf blieben von allen weiblichen Einwohnern nur 2 am Leben. In der Stadt Quedlingburg wurden im Jahr 1589 an einem einzigen Tag 133 Hexen verbrannt. Zwischen 1603 und 1606 fielen 300 Menschen dem sadistischen Richter Balthasar Ross in Fulda zum Opfer. Die beiden Cousins Johann Georg II Fuchs und Philipp Adolf brachten es zusammen auf insgesamt 1500 Verurteilungen.

   Die deutschen Inquisitoren erwiesen sich als sehr einfallsreich, um an das für die Hinrichtung benötigte Schuldbekenntnis der Opfer zu gelangen. Man zwang sie Salzheringe zu essen und verweigerte ihnen anschließend das durstlöschende Wasser. Bevor die Opfer in die Folterkammer geführt wurden mußten sie sich ausziehen, wobei die Frauen nicht selten vergewaltigt wurden. Die Folter begann meist mit der Daumenschraube und wurde dann mit Peitschenhieben fortgeführt. Die Beinschraube zerbrach Schienbein und Fußknöchel und auf der Streckbank renkte man die Gelenke aus. Wurde das unter Qualen hervorgebrachte Geständnis danach widerrufen, begann die Folter nochmal. Bei diesen Folterungen litten die Opfer nicht nur, sondern wurden auch noch arm. Sie verloren ihren ganzen Besitz und mußten Folter und Prozeß auch noch bezahlen.

    Unter den wenigen Menschen die Kritik an diesen Verbrechen ausübten, war Friedrich von Spee (Deuschland, frühes 17. Jahrhundert). Der Jesuitenpater in Würzburg nahm den verurteilten Opfern die letzte Beichte ab. Schon bald war ihm klar, daß keiner von ihnen schuldig war. 1631 veröffentlichte er das Buch Cautio Criminalis (zwar anonym, aber immerhin), indem er jegliche Art von Folterungen verdammte und vernunftgeleitete Gerichtsverfahren forderte. Es gab auch noch andere Kritiker die Schriften veröffentlichten. Leider konnte auch diese den Glauben an bösartige Hexen nicht aus den Köpfen der Menschen vertreiben. Erst um die Jahrhundertwende versiegte die Hexenverfolgung allmählich. In Schweden kam die Hexenhysterie 1669 zum letzten mal auf. In Enland starb 1682 ein Opfer den letzten Hexentod und in Frankreich war Pater Louis Debaraz 1745 das letzte Hexenopfer. In Deutschland dauerte es noch bis 1775, als die letzte Hexe (Anna Maria Schlegel) verbrannt wurde. Die Hexenjagd war nun offiziell vorbei. Die Angst und die Abscheu der Menschen war jedoch noch vorhanden. Immer wieder kam es zu Angriffen auf vermeintliche Hexen. Die letzten bekannten Einzelfälle waren sogar noch im 20. Jahrhundert.

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