Cebit

Cebit 2002: Höher, schneller, weiter

ist das Motto der Olympioniken und seit geraumer Zeit auch der IT-Branche. Auf der diesjährigen Cebit, die noch bis zum Mittwoch geöffnet ist, wurden die Spiele in den Disziplinen: UMTS, wireless LANs und Mobile-Commerce ausgetragen. Ein Gewinner ist nicht ganz so leicht auszumachen, wie im Sport. Die lahmende US-Konjunktur und die teuren europäischen UMTS-Lizenzen nagen an den Nerven der Branche.
 
Mit 8.106 Ausstellern auf einer Fläche von 422 109 m² ist die Cebit abermals größer geworden. Wahrscheinlich wird auch dieses Mal ein neuer Besucherrekord erreicht - was bei den gesalzenen Eintrittspreisen (31 Euro für ein Tagesticket) allerdings verwundert. Auch dieses Jahr wird die Cebit von Massen von Kugelschreiber- und Papiertütenjägern überschwemmt. Diese Endkundenflut wirkt sich leider von Jahr zu Jahr stärker auf die Qualität des Standpersonals aus. Komplizierte technische Fragen bleiben da häufig unbeantwortet. 
 
In einem nur für VIPs zugänglichen Zelt von Ericsson konnte eine der ersten serienreifen UMTS- Basisstationen bewundert werden. Die Netzhardware ist also bereits heute vorhanden, nur an den Endgeräten mangelt es noch - keiner der auf der Cebit vertretenen Mobilfunkhersteller konnte ein funktionsfähiges Gerät vorstellen. Im Moment beschränken sich deren Neuvorstellungen auf kleinere Änderungen an den Gerätefamilien. So gibt es mittlerweile einige Mobiltelefone mit eingebautem MP3-Player - eine sehr praktische Liaison (z.B. Siemens SL45). Außerdem tauchen immer mehr Handys auf, die für schnelle Datenübertragung über die existierenden Mobilfunknetze (GSM) mit HSCSD und GPRS geeignet sind.
 
Ein weiterer Trend auf der Cebit sind drahtlose Netzwerke. Sie führen schon seit einigen Jahren zu Unrecht ein Schattendasein. Aber nachdem nun endlich ein einheitlicher Standard (IEEE 802.11) existiert, der es erlaubt, Geräte unterschiedlichster Hersteller zusammen zu betreiben und zudem die Übertragungsgeschwindigkeit auf 11 Megabit pro Sekunde erhöht wurde, ist diese Art der Vernetzung zu einer interessanten Alternative zur Verkabelung geworden. Mittlerweile gibt es von mehr als einem Dutzend Hersteller viele sehr interessante aber auch sehr ähnliche Produkte und die Preise bewegen sich ebenfalls schnell nach unten. Diese Wireless LANs (drahtlose Lokale Netzwerke) arbeiten im sogenannten ISM-Band (2,4 Ghz) und damit im gleichen Frequenzbereich wie ein gewöhnlicher Mikrowellenherd, senden mit sehr geringer Leistung (<100mW) und gelten mittlerweile als abhörsicher.
 
Ähnlich den drahtlosen Netzwerken ist die Bluetooth-Technik. Sie soll auf absehbare Zeit den besonders bei Notebooks verbreiteten Infrarot-Anschluss ersetzen. Mit ihm sollen in naher Zukunft alle möglichen Geräte auf dem Schreibtisch drahtlos kommunizieren können. Hewlett Packard stellte zum Beispiel einen Drucker vor, den man nicht mehr mit dem Computer verbinden muss. Ericsson präsentierte ein Headset (Kopfhörer- Mikrofon- Kombination), das drahtlos mit einem entsprechenden Handy kommuniziert und so ohne störendes Kabel auskommt.
 
Sehr viel Wachstumspotential erwartet sich die IT-Branche vom mobilen elektronischen Handel. In naher Zukunft soll es möglich sein über Mobiltelefon und PDA (Taschencomputer) div. Geschäfte zu tätigen. Dazu stellen zahllose Austeller Lösungen vor. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der elektronischen Zahlung, für die sich ja immer noch kein Standard abzeichnet.
 
Das freie Betriebssystem Linux ist auf der Cebit überall präsent. Man sieht mittlerweile mehr Pinguine (das Linux Logo) als Microsoft- Schriftzüge auf der weltgrößten Computer- Messe. Es läßt also auf sich warten, dass Linux im Professionellen Einsatz Windows in einigen Jahren hinter sich lassen wird. Kein großes Unternehmen kann es sich mehr leisten, Linux zu vernachlässigen.
 
Wie jedes Jahr wieder spielten auch diesmal schnellere Zugangstechnologien zum Internet eine große Rolle. Voll im Trend liegt zur Zeit DSL (Digital Subscriber Line), das bis Ende des Jahres in Deutschlands zu 90% verfügbar sein soll (laut Deutsche Telekom). Alcatel präsentierte fertige Lösungen um über herkömmliche Stromleitungen bis zu 2 MBit/s zu übertragen. Bei Elsa konnte ein Kabelmodem (für Kabel-TV-Anschlüsse) bewundert werden. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Telekom ihr Kabelnetz schnellstens veräußert und die neuen Betreiber in diese weltweit schon seit Jahren verbreitete Technologie investieren.
 
Links:
www.cebit.de

 
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