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Das Jahrhundert-Hochwasser 1999

        
Chronik

Bilder 24. Mai
Kelheim 1
Kelheim 2
Kelheim 3
Kelheim 4

Bilder 25. - 27. Mai
Neustadt 1
Neustadt 2

Soldatenbericht

Polizeieinsatz

Wasserstände

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Das Pfingstwochenende 1999 brachte dem Landkreis Kelheim ein Jahrhundert-Hochwasser. Besonders betroffen sind die Städte Neustadt a.d. Donau und die Kreisstadt Kelheim. Als in Neustadt der Damm bricht, bricht eine Flutkatastrophe über die donauseitigen Gebiete der Stadt Neustadt a.d. Donau herein.

Samstag, 22. Mai

Nachdem der Donau-Pegel rapide ansteigt, kommt erstmals
der Kristenstab des Landkreises Kelheim zusammen. In Weltenburg strömen erstmals seit 150 Jahren die Fluten in die Asamkirche. In der Barockkirche steht das Wasser bis zu 60 Zentimeter hoch.

Sonntag, 23 Mai

Im weltberühmten Kloster Weltenburg wird am Nachmittag
der Kampf gegen die Wassermassen aufgegeben.  Beim Versuch einen neuen Kahn vor dem Hochwasser
in Sicherheit zu bringen, gerieten vier Bewohner aus dem
Fischerdörfl in Lebensgefahr und konnten in Sicherheit gebracht werden.  Um 18.00 Uhr wird für den Landkreis Kelheim Katastrophenalarm ausgelöst. Im Landratsamt sowie in den Städten Kelheim und Neustadt a.d. Donau werden Bürgertelefone eingerichtet. Die Donau überschreitet mit der Rekordmarke von fast 8 Metern den Normalpegel um mehr als die Hälfte. Über 700 Helfer von Feuerwehr, THW, Polizei, DLRG- und BRK-Gruppen sowie Abordnungen von Grenzschutz und Bundeswehr sind im Einsatz. Auch von den Nachbarlandkreisen kommt Hilfe. Am Abend wird eine Frau in Weltenburg, nachdem Sie eine Herzattacke erlitten hatte, mit dem Rettungshubschrauer "Christoph 1" ins Krankenhaus gebracht.

Montag, 24. Mai

Nachts um 1.10 Uhr wird der Damm bei Neustadt überflutet, um 8.30 bricht er. Die Vororte Schwaigfeld, Mauern und Wöhr werden von den Wassermassen überflutet. Auch aus Bad Gögging müssen Bürger aus Ihren Häusern evakuiert werden. Insgesamt sind 1500 Menschen betroffen. In der Hauptschule Neustadt a.d. Donau werden Notunterkünfte eingerichtet. Um 9.00 Uhr Morgens wird in Kelheim die Pegelspitze von 7,95 Metern erreicht. Zahlreiche Schaulustige bringen sich durch Dammspaziergänge in Lebensgefahr und behindern die Arbeit der Helfer.  In Kelheim überflutet das Wasser die Regensburger Strasse und dringt in zahlreiche Häuser. Am Abend wird in Kelheim die alte Donaubrücke wegen Einsturzgefahr für den Verkehr gesperrt. In der  Nacht geht nach einem Kurschluß wegen des Hochwassers ein Haus in Staubing in Flammen auf.

Dienstag, 25. Mai

In Bad Gögging wird der Deich erhöht, der Kurbetrieb ist stark eingeschränkt. Auch in der Römerbadklinik und Trajansklinik wird der Betrieb auf ein Minimum zurückgefahren, da die Abwässer die strapazierte Kanalisationsanlage in hohem Maße belasten. Die Zahl der Helfer hat sich mittlerweile auf 1000 erhöht. Durch eine bis zu 150 Meter breite Lücke wird der Damm in Neustadt überschwemmt, Pläne die Lücke zu schließen, aufgrund der Wassermassen und Erreichbarkeit des Dammes, wieder verworfen. Mittlerweile sind mindestens 20 Quadratkilometer überflutet, 2000 Menschen betroffen. In den betroffenen Gebieten steht die Flut bis zu 2,50 Meter hoch. Bis zur Nacht haben in der Neustädter Notunterkuft 40 Personen Zuflucht gesucht. Über Neustadt liegt ein  penetranter Ölgeruch. Mit Schlauchbooten wird ein Versorgungsverkehr eingerichtet, teilweise muß in einigen Gemeinden das Leitungswasser abgekocht werden. Der Bayerische Innenminister Günter Beckstein macht sich in Neustadt ein Bild der Lage. Am Abend wird in Saal a.d. Donau als Sicherungsmaßnahme der Hochwasserdamm verstärkt. In der Nacht bricht vor der Schleuse Oberndorf ein Damm, der den RMD-Kanal von der Donau trennt. In der Folge wird eine Großbaustelle überflutet, 22 Baucontainer mitgerissen.

Mittwoch, 26. Mai

Vormittags macht sich der Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber ein Bild der Lage. Er warnt vor zu hohen finanziellen Erwartungen, verspricht aber Hilfe. In der Live-Sendung "Bürgerforum" wird von Hochwasserbetroffenen kontrovers die Informationspolitik im Vorfeld der Katastrophe diskutiert. In Kelheim wird die Maximiliansbrücke für den Verkehr wieder freigegeben. In Neustadt gründet sich eine Bürgerinitiative "Hochwassergeschädigter Bürger". Die Zahl der Betroffenen wird auf etwa 3000 beziffert.

Donnerstag, 27. Mai

Da zahlreiche Felder überflutet sind, macht sich Futternotstand bei den Landwirten bemerkbar. Die Tiere hungern in den Ställen. Zahlreiche Spendenkonten werden eingerichtet. Das Hochwasser geht zurück. In Kelheim wird ein Pegel von 601 Zentimetern erreicht. Trotzdem muß der Katastrophenalarm aufrecht erhalten werden. Bei Sittling öffnen Pioniere der Bundeswehr einen Polderdeich, damit die Wassermassen kontrolliert ablaufen können. Rund einen Kilometer vor der Schleuse Oberndorf wird nun doch ein provisorischer Damm aufgeschüttet, der die Reparatur des zerstörten Damms vor der Schleuse erst möglich macht. Bisher hatte die Einsatzleitung Katastrophenschutz interveniert, da damit eine Gefahr für die Bevölkerung von Bad Abbach und Oberndorf bestanden hätte.

Freitag, 28. Mai

In Neustadt bildet der Kampf gegen ausgelaufenes Heizöl einen Schwerpunkt der Einsatzkräfte. Die Polizei erhält noch immer weiträumig Strassensperren aufrecht um die Schaulustigen abzuhalten und die Betroffenen vor Plünderungen zu schützen. Hierzu wird auch mit Booten Streife gefahren. Die Diskussion, vor allem unter betroffenen Neustädter Bürgern, ob im Vorfeld ausreichend informiert und gewarnt wurde, hält unvermindert an. Die Opfer erhalten viel Solidarität von freiwilligen Helfern, Firmen und Spendern. In Irnsing wird der aufgerissene Damm repariert.

Noch Tage nach dem Dammbruch liegt über Neustadt ein durchdringender Heizölgeruch. Vor den betroffenen Häusern türmen sich die kaputten Einrichtungen, zahlreiche Familien stehen vor dem Nichts. Der Schaden ist noch nicht abzusehen.

 


        
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Mai 1999, Konzept & Gestaltung: H. Kloth