KELHEIM. Auch nach zweieinhalb Stunden waren nicht alle 55 anwesenden Kreisräte gestern zufrieden mit dem Kreishaushalt für 2008. Er wurde aber letztlich bei 13 Gegenstimmen abgesegnet. Nicht nur aufseiten der SPD, deren Haushalts-Anträge durchfielen, verweigerte man das Ja. Auch die CSU-Kreisräte Dr. Uwe Brandl, Gertraud Schretzlmeier und Franz Kiermaier votierten gegen den Etat.
Die um einen Punkt gesenkte Kreisumlage war einer der strittigen Punkte: Eine „tolle Entlastung der Kommunen“, zog CSU-Kreisrat Dr. Uwe Brandl sarkastisch den Hut vor Landrat Dr. Hubert Faltermeier. In absoluten Zahlen nämlich bediene sich der Kreis viel stärker bei den Kommunen als im Vorjahr, kritisierte der Abensberger Bürgermeister. Dabei sei die Kreisverschuldung moderat im Vergleich zu mancher Kreiskommune. Das trug ihm Spott von Jörg Nowy (Freie Wähler) ein: Vor der Wahl habe die CSU den Landkreis als „kurz vor dem finanziellen Untergang“ stehend dargestellt.
Brandl unterstützt SPD-Antrag
Gegen Kritik aus den eigenen Reihen schlug sich Brandl beim Thema „Aufsuchende Jugendsozialarbeit“ auf die Seite der SPD. Die hielt ihren, Antrag, zwei Streetworker einzustellen, als einzigen von ursprünglich mehreren Haushaltsanträgen bis zuletzt aufrecht. Brandl hatte, um dies kostenneutral für den Kreis zu halten, ein EU-Projekt vorgeschlagen. Ok, wenn‘s klappt, signalisierte SPD-Sprecher Peter Groeben — falls nicht, müsse der Kreishaushalt aber Geld vorsehen, damit das Projekt trotzdem starten könne. Das befürwortete auch Brandl. Johanna Werner-Muggendorfer (SPD) verteidigte das Streetworker-Vorhaben auf Kreisebene als notwendige Ergänzung zur gemeindlichen Jugendsozialarbeit. Christiane Lettow-Berger (Grüne) verneinte dies zwar nicht. Erst sei dafür aber ein Konzept auf Kreisebene nötig. Bei der abschließenden Abstimmung scheiterten letztlich 14 Streetworker-Befürworter an der Kreistags-Mehrheit.
Ebenfalls ein strittiger Punkt bei der Haushaltsdebatte war die Förderschule Thaldorf. Dass diese generalsaniert oder an „zentralerem Standort“ neu gebaut werden muss, stellte kein Redner infrage. Allerdings wollte die Kreistagsmehrheit dem SPD-Antrag nicht folgen, wonach „bis zu den Beratungen über den Haushalt 2009“ zu entscheiden sei über Neubau oder Sanierung sowie den künftigen Standort der Schule. Zuletzt zog die SPD selbst diesen Antrag zurück, der ferner vorsah, die Kosten für Sanierung/Neubau ins Investitionsprogramm aufzunehmen sowie bereits heuer die Toiletten zu sanieren und den Brandschutz zu erneuern: Die Fraktion sei einverstanden, Thaldorf erst 2009 in den Finanzplan aufzunehmen, so Peter Groeben. Gleiches gelte für die Erweiterung der Berufsschule Kelheim und eine neue Schulsporthalle für Mainburg. Damit lag die SPD bei Förder- und Berufsschule letztlich auf der Linie von CSU-Kreisrat Martin Neumeyer: Der zeigte zwar Verständnis für den Frust der Förderschüler-Eltern. Aber der Kompromiss, heuer und 2009 je 100000 Euro für Planung und dringliche Maßnahmen einzustellen und 2009 zu entscheiden, sei in Ordnung.
Schmalz springt für SPD ein
Zu guter Letzt griff freilich Peter-Michael Schmalz (ÖDP) den SPD-Antrag zu Thaldorf in Teilen wieder auf: Man könne doch ruhig festlegen, dass die Entscheidung über Sanierung oder Neubau und den künftigen Schulstandort bis zu den Etatberatungen 2009 zu fällen sei. Bei 18 Befürwortern aufseiten von SPD und Ausschussgemeinschaft ließ die Kreistagsmehrheit aber auch diesen Antrag durchfallen.
Ohne separate Abstimmung blieb schließlich der ÖDP-Antrag, den Zuschuss zur Caritas-Schuldnerberatung um 5000 Euro aufzustocken. Nach dem Einschwenken der CSU-Fraktion — die mit der Erhöhung der verschuldeten Landkreis-Jugend zu Hilfe kommen will — auf die ÖDP-Linie wird die Aufstockung voraussichtlich im Kreisausschuss beschlossen und als überplanmäßige Ausgabe verbucht. (hu)
GRÜNE/ÖDP |
Eisernes Sparen ohne Neuverschuldung, aber mit den notwendigen Investitionen:
Diese Prämissen sah
Christiane Lettow-Berger, Sprecherin der Ausschussgemeinschaft von Grünen und ÖDP, im Haushaltsentwurf als erfüllt an. Auch die Senkung der Kreisumlage um einen Punkt sei in Ordnung — wenn auch angesichts hohen Investitionsbedarfs künftig wieder eine höhere Umlage nötig werde.
Die SPD-Anträge zum Berufsschulgebäude Kelheim und zur neuen Sporthalle für Mainburg lehnte Lettow-Berger als zu spät gestellt ab. Sie begrüßte statt dessen den Ruf der Kreis-CSU nach einem Entwicklungsplan für alle kreiseigenen Schulen — auch wenn die „chaotische“ Bildungspolitik der Staatsregierung dessen Umsetzung gefährden könnte. Die Förderschule Thaldorf solle 2009 saniert oder neu gebaut werden.
.... (hu)
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