Mittelbayerische Zeitung, Di., 11. März 2008:

Kreis liebäugelt mit Klimaziel

ENERGIEEINSPARUNG Umweltausschuss blickt über die Landkreisgrenze hinaus

VON GABI HUEBER-LUTZ, MZ

KELHEIM. Die Kosten für Energie stei­gen laufend, Rohstoffe werden knapp und die drohende Klimakatastrophe ist in aller Munde. Vor die­sem Hinter­grund informierte sich der Umweltausschuss des Kreistages gestern bei seiner Sitzung über das Thema Ener­giewende und Klimaschutz im Land­kreis Fürstenfeldbruck und zog eine Bilanz der bisherigen eigenen Bemü­hungen.
  Zwei Anträge von der ÖDP und von Richard Zieglmeier zu diesem Komplex wurden nach dem Vortrag zurückgestellt und zur Beratung in die Fraktionen verwiesen, bevor sie wieder auf die Tagesordnung kom­men.
  Der Landkreis Fürstenfeldbruck hat sich ein klares Ziel gegeben: Bis zum Jahr 2030 will er seinen Energie­bedarf ausschließlich durch nach­wachsende Rohstoffe decken. Birgit Baindl vom dortigen Landratsamt stellte dem Kelheimer Kreisumwelt­ausschuss die vielen Schritte vor, die an dieses Ziel führen sollen. Dabei spielt auch der regionale Gedanke ei­ne wichtige Rolle. Ziel sei es, jede Kilo­watt­stunde, die man vor Ort erzeugen könne, auch tatsächlich vor Ort zu er­zeugen. Zum Beispiel, indem dezent­rale Hack­schnitzel­heizungen verwen­det werden, ein Nahwärmenetz aufge­baut wird oder Bürger-Solardächer Förderung erhalten.

PROJEKTE DES LANDKREISES

> Sonderkreditprogramm der Kreissparkasse für Maßnahmen zur Energieeinsparung und C02 Minderung
> Öffentlichkeitskampagne für Schulen und Privathaushalte
> Broschüre „Energiebewusstes Pla­nen und Bauen“
> Energie-Check für Gewerbebetriebe
> Regional- und Umwelttage
> Beratung von Privatpersonen zu staatlichen Förderprogrammen
> Photovoltaikanlage auf dem Land­ratsamt-Dach
> Informationen zu Wärmedämmung und Energiesparen an alle Haushalte
> Energiegutachten für landkreiseigene Liegenschaften bei Heizung und Strom, die bei Sanierungen beachtet wurden. Beispiele: Gymnasien in Mainburg und Kelheim, Realschulen Riedenburg und Abensberg
> Umrüstung von Nutzfahrzeugen des Bauhofs auf Biodiesel (lhl)
Das Ganze ist aber nicht nur eine öko­logische‚ sondern auch eine öko­nomische Frage: 100 Millionen Euro für Rohöl­importe hätten 2006 den Landkreis Fürstenfeldbruck verlas­sen, rechnete Baindl vor und fügte an: „Das sind Zahlen, die man sich als Kreispolitiker auf der Zunge zer­gehen lassen sollte!“
  Bei Sanierungen müsse die Kom­mune Vorbildfunktion übernehmen, „auch wenn’s teuer oder schwierig ist.“ Baindl sprach sich auch für Foto­voltaikanlagen auf Freiflächen aus. Die Erzeugung von Strom auf freier Fläche stelle viel Energie zur Verfü­gung. Wichtig sei es bei diesem The­ma, die Bürger frühzeitig einzubin­den. Franz Nadler von der Koordinati­onsstelle Agenda 21 führte aus, dass der Landkreis Kelheim keine festen Leitbilder entwickelt habe, zum Bei­spiel, was die zeitliche Umsetzung be­trifft. Vieles sei aber schon zuwege ge­bracht worden oder am Laufen (siehe nebenstehenden Artikel). Klaus Amann von der ARGE Regionalent­wicklung sprach den neu einzustel­lenden Regionalmanager an. 80 Pro­zent seiner Tätigkeit erstrecke sich auf Klima relevante Themen.
  Stellvertretender Landrat Dr. Ger­hard Merkl, der die Sitzung leitete, regte an, nach den erhaltenen Infor­mationen die Anträge zunächst an die Fraktionen zur Beratung zu verwei­sen. Die ÖDP hatte fest definierte Kli­maschutzziele für den Landkreis ge­fordert und eine Festlegung, bis wann die Liegenschaften des Landkreises auf eine Versorgung mit regenerati­ven Energien umgestellt werden sol­len. Richard Zieglmeier hatte mit seinem An­trag eine Übertragung der Vorgehens­weise im Landkreis Fürstenfeldbruck auf den Landkreis Kelheim im Auge.


zur Übersicht