Mittelbayerische Zeitung, Do., 28. Februar 2008:

Promi-Hilfe aus Berlin für Grüne

Im E.ON-Kraftwerk Irsching läuft die 340 Megawatt-Gasturbine derzeit zur Probe.    Fotos: jd

ENERGIE Die Grünen sind wei­ter gegen die Ableitung von warmem Kühlwasser beim E.ON-Kraftwerk in Irsching.

VON JOCHEN DANNENBERG, MZ

LANDKREIS. Prominente Unterstüt­zung hatten sich die Landkreis-Grü­nen gestern für ihren Kampf gegen die neuen Kraftwerksblöcke des E.ON-Kraftwerks Irschings geholt. Die Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag betonte die Notwendigkeit einer Kraft-Wär­me-Kopplung im neuen Block 5. Be­kanntlich soll für diesen Bereich des Kraftwerks Wasser für Kühlzwecke aus der Donau entnommen und an­schließend erwärmt in den Fluss zu­rückgeleitet werden. Fischer befürch­ten deshalb starke Veränderungen bei Flora und Fauna der Donau.
  Statt warmes Wasser in den Strom zu schütten und damit Wärme zu ver­schwenden, sagen Künast und die Landkreis-Grünen, solle auf Kraft-Wärme-Kopplung gesetzt wer­den. Die Grünen sehen sich durch ein Gutachten bestätigt, das die mögliche Nutzung der in Irsching entstehenden Wärme in der benachbarten Bayernoil-Raffinerie beschreibt. Den denkba­ren Einwand, wonach die Energie im Kraftwerk nicht kontinuierlich, son­dern schubweise produziert werde und die Wärme nicht in stetig glei­chem Umfang entstehe, nannte Grü­nen-Kreisrat Richard Zieglmeier als nicht stichhaltig. Das sei für ihn durch das Gutachten, aber auch durch tech­nische Lösungen widerlegt. Mit Kraft-Wärme-Kopplung käme die An­lage auf einen Wirkungsgrad von 85 bis 90 Prozent. Ohne liegt er bei 60 Pro­zent.
  Das diese Möglichkeit nicht für Irsching eingeplant worden sei, liege, so Renate Künast, an mehreren Phäno­menen. Zum einen sei dafür die „Besat­zungsmentalität“ der Energiekonzer­ne verantwortlich, die Deutschland ähnlich
Grüne für Kraft-Wärme-Kopplung: v. li. Richard Zieglmeier. Franz Aunkofer, Renate Künast, Christiane Lettow-Berger
wie einst die Besatzungsmäch­te unter sich aufgeteilt hätten. Zum anderen handele es sich um ein umfas­sendes Problem. Einerseits bestünden umfangreich Forschungs- und Förde­rungs­programme, die traditionelle Technologien stützen. Andererseits seien aber auch Teile der großen Par­teien zu sehr mit den Energiekonzer­nen verbandelt, um unabhängig ent­scheiden zu können.
  Dennoch sei sie davon überzeugt, dass die Zukunft im Energiesektor u. a. bei Doppel­kraftwerken liege, bei de­nen sowohl die Wärme als auch der Strom genutzt werde. Ferner prophe­zeite sie einen weiteren Anstieg der Energiepreise, der es weiter erfordere, über Einsparpotenziale und neue Technologien nachzudenken, statt auf den weiteren Bau von Kraftwerken zu setzen.

DIE HINTERGRÜNDE

E.ON baut am Standort Irsching (bei Vohburg) neue Kraftwerksblöcke. Herz­stück ist die größte Gasturbine der Welt. Sie stammt von Siemens, leistet 340 Megawatt und benötigt 18 Kubikmeter Gas pro Sekunde. Damit wäre die Turbine fähig, eine Großstadt wie Hamburg mit Strom zu versorgen. Entwicklung und Bau dieser leistungsstärksten Gas­turbine der Welt kosteten 500 Millionen Euro. Noch befindet sich die Turbine in der Erprobungsphase. (jd)

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