Mittelbayerische Zeitung, Mo., 25. Februar 2008:

Mit Holz zu heizen ist sinnvoll —wenn man es richtig macht

DISKUSSION Feinstaub hin oder her — wenn der Ofen passt, gibt‘s keine Probleme.

VON ANDREAS GEROLDINGER, MZ

KELHEIM. Der Brennstoff Holz ge­winnt immer mehr an Bedeutung. Ob als Hackschnitzel, Pellet oder in Scheitform, im Kessel oder ganz her­kömmlich im Kamin- und Kachel­ofen — Holz ist billig und gilt als öko­logisch sinnvoll. Doch die Verbren­nung birgt einen unangenehmen Ne­beneffekt: Die Belastung durch Feinstaub.
  Deshalb luden die Kelheimer Grünen am Freitagabend zusammen mit der Waldbauernvereinigung Kelheim / Thaldorf ein Expertenquartett in den Deutschen Hof. Frank Ellner-Schuberth, Diplomingenieur am Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe in Straubing, informierte die fast 50 Zuhörer über Vor­teile, Gefahren aber auch über Miss­verständnisse bezüglich der Holzver­brennung. Anschließend standen Herbert Zimmermann, Mitinhaber der Ringkachelofenfirma rondo, Hel­mut Chrzasciel von Kraft und Wärme aus Biomasse (KWB) sowie Christoph Matern von Kutzner und Weber für Fragen zur Verfügung.
  Grundsätzlich, so Ellner, sei das Heizen mit Holz nicht nur „gut für den Klimaschutz“, sondern auch zu­kunftsträchtig und mittlerweile ein bedeutsamer Faktor für die regionale Wirtschaft. Allerdings sollte man die Feinstaubbelastung durch Holzfeue­rung nicht unterschätzen. Neueste Studien belegten, dass die Lebenser­wartung bei der heutigen Emission um satte zehn Monate sinke. Wie fast immer, mache auch hier „die Dosis das Gift“. 138 Tonnen Feinstaub wer­den in der Bundesrepublik jährlich in die Atmosphäre geblasen. 15 Prozent stammen aus privaten Haushalten, ein Großteil davon aus der Holzfeue­rung, erläuterte Ellner.

Verschärfte Grenzwerte

Als problematisch erweise sich das hohe Alter der Ofen. 14 Millionen so­genannte Einzelraumfeuerungsanla­gen — gewöhnliche Kachel- oder Schwedenöfen mit denen meist nur ein Raum beheizt wird — gibt es in Deutschland. Etwa die Hälfte ist über 30 Jahre. „Richtige Dreckschleudern“, bilanzierte Ellner, dem allerdings nicht
Helmut Chrzasciel, Frank EIlner-Schuberth, Christoph Matern und Herbert Zimmermann informierten bei einer Veranstaltung von Grünen und Waldbau­ernvereinigung über richtiges Heizen mit Holz — ohne Feinstaub.    Foto: eag
nur das Alter der Ofen zu schaf­fen macht.
  Der „entscheidende Faktor“ bei ge­wöhnlichen Holzöfen sei der Betrei­ber. Beherrscht dieser sein Handwerk, sei der Rauch, der aus dem Schorn­stein kommt, ungefährlicher als Die­selruß. Bei falscher Handhabe ist der Qualm jedoch bis zu 100-mal giftiger, völlig unabhängig vom Alter des Ofens. Besonders die junge Generati­on mache dabei viele Fehler: „Die ha­ben das Heizen nämlich nie gelernt.“
  Deshalb habe die Bundesregierung die Grenzwerte „erheblich ver­schärft“. Dennoch werden teuere Filteranlagen wohl selten nötig, glaubt Ellner. Neuere Modelle erfüllen die niedrigeren Grenzwerte, für ältere gel­ten lange Übergangsfristen bis min­destens 2015.
  Spätestens dann sei eine Neuan­schaffung rentabler als Nachrüsten, glaubt Ellner, da neue Ofenmodelle sparsamer sind. > SEITE 03


Mittelbayerische Zeitung, Mo., 25. Februar 2008: (Seite 3)

Neue Öfen erfüllen niedrige Grenzwerte

HEIZEN „Ein Ofen mit acht Ki­lowatt reicht für ein ganzes Haus.“ Experte Frank Eimer gibt Tipps zum Kauf.

KELHEIM. Alle neuen Öfen erfüllen die niedrigeren Grenzwerte, viele seien aber für ihren Gebrauch „überdimen­sioniert“, sagt Frank Ellner. Deshalb empfiehlt der Fachmann eher kleinere Öfen zu kaufen. Ein Ofen mit acht Ki­lowatt sei viel zu groß, um nur einen Raum zu heizen. „Der reicht für das ganze Haus.“
  Des Weiteren empfiehlt der Exper­te, den Ofen nach Bedienungsanlei­tung zu betreiben und die Brennstoff­mengenangaben des Herstellers zu be­achten. Außerdem sollte die benötigte Wärme nicht über die Luftzufuhr, son­dem über die nachgelegte Menge an Holz geregelt werden. „Lieber öfter, da­für kleinere Mengen“, rät Ellner. Grö­ßere Scheite sollten erst bei sehr guter Glut und nach mindestens neunmo­natiger Lagerzeit den Weg in den Ofen finden.

Holzscheite billiger als Pellets

Für das Heizungssystem im Haus rät Ellner zum Holzscheitkessel. Ölkessel seien zwar in der Anschaffung um ei­niges billiger, rechnen sich über einen längeren Zeitraum aber nicht. Außer­dem seien Holzscheite auf lange Sicht auch billiger als Pellets. Hackschnitzel wären zwar günstiger, doch seien diese Kessel für ein „gewöhnliches Haus zu groß“.
  Am schlechtesten im Kosten-Nut­zen-Vergleich des Fachmanns schnei­det das Erdgas ab. (mz)


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