Mittelbayerische Zeitung, Mo., 11. Februar 2008 :

Dampfnutzung wird von E.ON weiter abgelehnt

KÄMPFERISCH Bei einer Be­zirksversammlung der Grü­nen kündigte Erhard Garbe für die Neustädter Fischer an, „im Fall des Falles den Klageweg einzuschlagen“.

VON WOLFGANG ABELTSHAUSER. MZ

Die Nutzung des bei der Stromproduktion in Irsching entstehenden Dampfes kommt für die E.ON unter anderem wegen zu geringer Nutzbar­keit des Dampfes nicht in Betracht. nicht.    Foto: jd

NEUSTADT. „Wir werden die Donau in 20 Jahren nicht wiedererkennen.“ Die­se Meinung vertrat der Chef der Neustädter Fischerfreunde Erhard Garbe bei einer Bezirksversammlung der Grünen in Neustadt. Sollte wie geplant Kühlwasser vom Irschinger E.ON-Kraftwerk in die Donau geleitet werden dürfen, würde sich viel än­dern. Deutlich würde sich das auf die Tierwelt im Wasser auswirken – das sei klar. Donautypische Arten wie die Bachforelle würden verschwinden – dafür andere kommen, die hier nicht heimisch seien, wie etwa der Aal. „Vie­le Arten, die auf der roten Liste stehen, werden verdrängt werden.“
  Auch kleinere Temperatur­ver­änderungen werden sich deutlich auswir­ken. So sei es in einem Gutachten zu lesen, dass es grundsätzlich mit dem Kraftwerkbetreiber E.ON nicht schlecht meine. Die Selbstreinigungs­kräfte der Donau würden gestört – mehr organische Belastung und damit mehr Bakterien seien die Folge. Proble­matisch sei vor allem die Winterzeit. Hier könnte eine Temperaturerhö­hung von zwei Grad große Folgen ha­ben – nämlich eine Störung der Laich­abläufe der Fische.
  Der zur Veranstaltung geladene Werksleiter der Anlage in Irsching Wolfgang Kleinsteuber versuchte zu beschwichtigen. Ein allzu schwarzes Bild würde gemalt. So hätte früher so­gar noch mehr Abwärme in die Donau geleitet werden dürfen. Heute würde das sicher nicht mehr genehmigt, kon­terte Garbe. Immerhin stehe fest, dass bestehende Kühltürme genutzt wür­den, falls es notwendig werde.
  Außerdem gebe es ein so genanntes „Monitoring“. Was heißt, die Vorgän­ge in der Donau würden überwacht. Sollte es zu negativen Auswirkungen kommen, könnte die Genehmigung ja abgeändert werden. Wolfgang Klein­steuber betonte, hier seien die Fischer beteiligt.
  Überzeugen konnte er aber nicht. So sprach Garbe von einem großen Unsinn, so viel Energie ungenutzt in die Donau zu leiten. Grünen-Bezirkschef Stefan Haug sprang ihm zur Seite. Eine große Wärmeleistung würde nicht genutzt. Grünen-Kreisrat Ri­chard Zieglmeier beschrieb eine in sei­nen Augen mögliche Lösung. Der an­fallende Wasserdampf könnte von der Bayernoil Vohburg genutzt werden.
  Freilich sei dazu eine zwei Kilome­ter lange Leitung notwendig, die dem Kraftwerksbetreiber rund vier Millio­nen Euro kosten würde. Immerhin sei­en die Energieversorger der Städte Frankfurt und Nürnberg an Irsching beteiligt. Diese sprächen sich deutlich für diese so genannte Kraftwärme­kopplung aus. Schon gebe es seitens der Nürnberger Grünen Anfragen an die Stadt, was das Thema betrifft.
  Kleinsteuber erklärte, dass diese Lö­sung im Irschinger Fall wenig sinnvoll sei. Für Kraftwerke in der Nähe von Städten wie Nürnberg sei das sicher­lich eine Möglichkeit. „Wir wären ja bescheuert, wenn wir die Wärme nicht verkaufen würden“, sagte er. Je­doch ginge das nicht, weil der genann­te Abnehmer den Preis von 14 Euro pro Megawattstunde nicht bezahlen würde. Und billiger ginge es in diesem Fall nicht. Und überhaupt würden auf diese Weise nur zwei Prozent des an­fallenden Dampfs genutzt werden.
  Kleinsteuber wurde entgegengehal­ten: Würde das Unternehmen diesen Weg nur gehen wollen, gäbe es auch eine Möglichkeit. Für die Neustädter Fischer stellte Erhard Garbe auf alle Fälle fest: „Wir werden im Fall des Fal­les den Klageweg einschlagen.“


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