NEUSTADT. „Wir werden die Donau in 20 Jahren nicht wiedererkennen.“ Diese Meinung vertrat der Chef der Neustädter Fischerfreunde Erhard Garbe bei einer Bezirksversammlung der Grünen in Neustadt. Sollte wie geplant Kühlwasser vom Irschinger E.ON-Kraftwerk in die Donau geleitet werden dürfen, würde sich viel ändern. Deutlich würde sich das auf die Tierwelt im Wasser auswirken das sei klar. Donautypische Arten wie die Bachforelle würden verschwinden dafür andere kommen, die hier nicht heimisch seien, wie etwa der Aal. „Viele Arten, die auf der roten Liste stehen, werden verdrängt werden.“
Auch kleinere Temperaturveränderungen werden sich deutlich auswirken. So sei es in einem Gutachten zu lesen, dass es grundsätzlich mit dem Kraftwerkbetreiber E.ON nicht schlecht meine. Die Selbstreinigungskräfte der Donau würden gestört mehr organische Belastung und damit mehr Bakterien seien die Folge. Problematisch sei vor allem die Winterzeit. Hier könnte eine Temperaturerhöhung von zwei Grad große Folgen haben nämlich eine Störung der Laichabläufe der Fische.
Der zur Veranstaltung geladene Werksleiter der Anlage in Irsching Wolfgang Kleinsteuber versuchte zu beschwichtigen. Ein allzu schwarzes Bild würde gemalt. So hätte früher sogar noch mehr Abwärme in die Donau geleitet werden dürfen. Heute würde das sicher nicht mehr genehmigt, konterte Garbe. Immerhin stehe fest, dass bestehende Kühltürme genutzt würden, falls es notwendig werde.
Außerdem gebe es ein so genanntes „Monitoring“. Was heißt, die Vorgänge in der Donau würden überwacht. Sollte es zu negativen Auswirkungen kommen, könnte die Genehmigung ja abgeändert werden. Wolfgang Kleinsteuber betonte, hier seien die Fischer beteiligt.
Überzeugen konnte er aber nicht. So sprach Garbe von einem großen Unsinn, so viel Energie ungenutzt in die Donau zu leiten. Grünen-Bezirkschef Stefan Haug sprang ihm zur Seite. Eine große Wärmeleistung würde nicht genutzt. Grünen-Kreisrat Richard Zieglmeier beschrieb eine in seinen Augen mögliche Lösung. Der anfallende Wasserdampf könnte von der Bayernoil Vohburg genutzt werden.
Freilich sei dazu eine zwei Kilometer lange Leitung notwendig, die dem Kraftwerksbetreiber rund vier Millionen Euro kosten würde. Immerhin seien die Energieversorger der Städte Frankfurt und Nürnberg an Irsching beteiligt. Diese sprächen sich deutlich für diese so genannte Kraftwärmekopplung aus. Schon gebe es seitens der Nürnberger Grünen Anfragen an die Stadt, was das Thema betrifft.
Kleinsteuber erklärte, dass diese Lösung im Irschinger Fall wenig sinnvoll sei. Für Kraftwerke in der Nähe von Städten wie Nürnberg sei das sicherlich eine Möglichkeit. „Wir wären ja bescheuert, wenn wir die Wärme nicht verkaufen würden“, sagte er. Jedoch ginge das nicht, weil der genannte Abnehmer den Preis von 14 Euro pro Megawattstunde nicht bezahlen würde. Und billiger ginge es in diesem Fall nicht. Und überhaupt würden auf diese Weise nur zwei Prozent des anfallenden Dampfs genutzt werden.
Kleinsteuber wurde entgegengehalten: Würde das Unternehmen diesen Weg nur gehen wollen, gäbe es auch eine Möglichkeit. Für die Neustädter Fischer stellte Erhard Garbe auf alle Fälle fest: „Wir werden im Fall des Falles den Klageweg einschlagen.“