Mittelbayerische Zeitung, Sa./So., 2./3. Februar 2008:

Studie hält Dampfnutzung für möglich

UMWELTEine staatliche Studie sieht Chancen für eine Kraft-Wärme-Kopplung beim E.ON-Kraftwerk Ir­sching. Das Kühlwasser wur­de nicht die Donau belasten.

VON JOCHEN DANNENBERG, MZ

Eine 2 000 Meter lange Leitung wäre erforderlich, um den Dampf, der bei der Stromerzeugung im E.ON-Kraftwerk lrsching entsteht, zur Bayernoil-Raffinerie Vohburg zu leiten.    Foto:jd

NEUSTADT/IRSCHING. Die Diskussion um die von E.ON beabsichtigte Einlei­tung erwärmten Kühlwassers in die Do­nau am E.ON-Kraftwerk Irsching hält an. Neustadts Umweltreferent Erhard Garbe (SPD) befürchtet weiterhin mas­sive Auswirkungen auf Flora und Fauna des Flusses. Kreisrat Richard Zieglmeier (Grüne) fordert unverändert eine Nut­zung der Abwärme, um das erwärmte Kühlwasser nicht in die Donau leiten zu müssen. Bei einer Podiumsdiskus­sion Mitte vorigen Jahres war von E.ON Zieglmeiers Forderung nach einer Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) strikt abgelehnt worden.
  Rückenwind bekommt Zieglmeier jetzt durch die eben veröffentlichte De­tailstudie des Bayerischen Landesamtes für Umwelt zum Wärmeverbund Ingol­stadt. Darin wird die Auskopplungs­möglichkeit von Dampf aus dem E.ON-Kraftwerk Irsching und die Liefe­rung des Dampfs an die benachbarte Bayernoil-Raffinerie Vohburg geprüft.

2 000 Meter Leitung erforderlich

Dafür, so das Landesamt, wäre eine 2000 Meter lange Leitung erforderlich. Die Experten gehen davon aus, dass durch die Leitung eine Dampfmenge von 50 Tonnen pro Stunde bei einem Druck von 30 bar und einer Temperatur von 350 Grad Celsius geleitet werden könn­te. In Abstimmung mit der Bayernoil sei aus technischen Gründen nur die Auskopplung auf einem 30 bar-Niveau verfolgt worden.
  Die Studie weist auch darauf hin, dass jede Dampfauskopplung mit einer Verringerung der elektrischen Leistung der Dampfturbinenanlage des neuen Kraftwerks in Irsching verbunden ist. Weiterhin heißt es in der Untersu­chung, dass die von E.ON vorgesehenen Kraftwerke zur Spitzenstrombereitstel­lung im öffentlichen Stromnetz vorge­sehen sind. Hierdurch bedingt liege die voraussichtliche, jährliche Einsatzzeit unter 4000 Stunden pro Jahr (überwie­gend wochentags und tagsüber).
  „Nachteilig für Bayernoil ist die doch relativ geringe Einsatzzeit des neuen Kraftwerks, die eine anderweitige Ver­sorgung der Raffinerie mit Dampf von über 4000 Stunden pro Jahr erfordert. Die reinen Kapital- und Betriebskosten der Dampfleitung und der Einspeisesta­tionen im Kraftwerk und bei Bayernoil betragen umgerechnet auf die bei 4000 Stunden pro Jahr gelieferte Dampfmen­ge nur circa drei Euro pro Tonne.“

Ökologische Bewertung

Zu den Auswirkungen auf die Umwelt des neuen Kraftwerks am E.ON-Stand­ort Irsching im Energieverbund mit Bayernoil-Vohburg heißt es: „Die Dampfauskopplung aus dem E.ON-Kraftwerk bei Dampflieferung an Bayernoil in dem vorkalkulierten Um­fang erspart bei Bayernoil die Erzeu­gung von Dampf in der dortigen Kesselanlage. Aufgrund der unterschiedlichen eingesetzten Raffineriebrennstoffe erge­ben sich Einsparpotenziale bei allen re­levanten Luftschadstoffen dieser Anla­ge. Insgesamt ergibt sich dort vor allem ein C02-Einsparpotenzial in Höhe von circa 53 600 Tonnen pro Jahr.“
  Richard Zieglmeier sieht sich durch die Studie in seiner Forderung nach einer Kraft-Wärme-Kopplung bestätigt. „Nach der Untersuchung des Bayeri­schen Landesamtes für Umwelt gibt es sehr wohl diese Möglichkeit zwischen E.ON und Bayernoil.“ Der Grü­nen-Kreisrat geht davon aus, „dass E.ON jetzt nicht mehr behaupten kann, ‚es geht nicht’“.

GRÜNE DEBATTIEREN OBER IRSCHING

Die niederbayerischen Grünen treffen sich nach einigen Jahren wieder beim Kreisverband Kelheim zu ihrer Bezirks­ratssitzung. Diese findet am Samstag, 9. Februar, in Neustadt/Donau um 14 Uhr im „Braustüberl“ („Pizzeria bei Carmela“) an der Herzog-Ludwig-Stra­ße statt.
Gleich beim ersten Punkt der Tages­ordnung geht es um die geplante Ab­wärmeeinleitung der in Irsching im Bau befindlichen E.ON-Kraftwerksan­lagen. Erhard Garbe, Vorstand der Neustädter Fischerfreunde‘ berichtet dazu über die befürchteten Auswir­kungen auf die Donauflora und -fauna.
Richard Zieglmeier, grüner Kreisrat im Kreis-Umweltausschuss, erläutert die mögliche Nutzung der Abwärme laut der nun veröffentlichten Detailstudie zum Wärmeverbund Ingolstadt. Wei­terhin berichtet er von den Beteiligun­gen der Nürnberger und Frankfurter Energieversorger an der Gemein­schaftskraftwerk Irsching GmbH und davon, dass Nürnberg und Frankfurt dem Klimabündnis Europäischer Städte angehören, das fordert, neue ther­mische Kraftwerke nur mit Kraft-Wär­me-Kopplung zu betreiben.
Interessierte Bürger können an der Sit­zung teilnehmen. (mz)

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