Mittelbayerische Zeitung, Mi., 19. Dezember 2007:

Grüne scheitern mit Verbotsantrag für Plakatständer

ABLEHNUNG Ratsmehrheit will keine Einschränkungen im Wahlkampf

VON ELFI BACHMEIER-FAUSTEN, MZ

KELHEIM. Die Stadträte Christiane Let­tow-Berger und Franz Aunkofer von Bündnis 90/Die Grünen wollten, dass im gesamten Stadtgebiet das Aufstellen von Plakatständern untersagt wird. Der Antrag der beiden Stadträte sorgte für eine Debatte bei der letzten Sitzung des Stadtrats 2007. Aus den Reihen von SPD und CSU waren ablehnende Äußerun­gen zu hören.
  Über den bei der Stadtverwaltung eingegangenen Antrag hatte Ordnungs­amtsleiter Lorenz Zieglmeier das Gre­mium informiert. Es war darin auch auf die Behinderung durch die Ständer für Fußgänger, Radfahrer und motorisierte Verkehrsteilnehmer verwiesen worden. Angeführt worden war, dass in anderen Kommunen, beispielsweise Abensberg, Verordnungen bereits seit Jahren beste­hen würden. Die Antragstellern schlu­gen auch vor, die Stadt Kelheim solle für ausreichende Flächen sorgen, auf denen Parteien in einem genau zu be­stimmenden Verhältnis ihre Wahlwer­bung anbringen könnten.
  Wie Aunkofer im Stadtrat sagte, sei von verschiedenen Seiten an die Grü­nen die Idee herangetragen worden. Er sprach von „Unsinn und Verschande­lung“. „Es ist mir klar, dass der Antrag sehr spät kommt, zweieinhalb Monate vor der Wahl.“ Aunkofer sprach die Möglichkeit an, an einem Platz zu pla­katieren, „so wie es der Gesetzgeber vor­schreibt“.

„Wir haben schon plakatiert.“

CSU-Fraktionssprecher Alois Beckstein war der Ansicht, wenn der Antrag im Sommer gekommen wäre, hätte darü­ber ernsthaft diskutiert werden kön­nen. SPD-Fraktionssprecher Walter Sil­1er: „Wir haben schon plakatiert.“ Im Hinblick auf die Vorstellungen der Grü­nen meinte er, dass man sich nach der Wahl ernsthaft mit dem Thema be­schäftigen könne. Er fasse es nicht als Antrag auf, er nehme es zur Kenntnis. Siller war der Ansicht, dass die Grünen-Stadträte jetzt eine Chance hätten, zu­rückzuziehen, bevor sie sich weiter bla­mierten.
  Sie sei vor sechs Jahren schon einmal dafür eingetreten, sagte Christiane Let­tow-Berger. Bezüglich des jetzigen An­trags räumte sie ein, dass dieser „sehr spät kommt“. Sie stellte die Frage in den Raum, was das für einen Einfluss habe, ob Plakate aufgehängt würden oder nicht, und wies auf die Möglichkeit hin, große Wände aufzustellen. Sie werde den Antrag nicht zurückziehen.
  Heribert Schwindl, Fraktionsspre­cher der „Freien“: „Ich könnte mich mit dem Antrag schon anfreunden.“ Er be­zeichnete diesen als gut. Es gäbe genug Möglichkeiten, auf die Bürger zuzuge­hen.
  Siller war der Ansicht, dass „so ge­waltig der Ärger in der Öffentlichkeit nicht sein kann. Uns hat‘s einen Haufen Geld gekosten.“ Vize-Bürgermeister Rai­mund Fries (CSU) sagte, „wir bemühen uns schon, Plakate so zu gestalten“, dass nicht das Straßenbild verschandelt wer­de. Wenn, dann sollte man auch an die zehn Meter langen Banner gehen.

Mathes: Wände vorhanden

Stadtrat Hermann Spielmann (SPD) be­richtete von Plakaten in Abensberg. Rat Hans-Toni Sorcan (CSU) vermisste ei­nen Finanzierungsvorschlag für das Aufstellen der Wände. „Wer zahlt die große Tafel“, interessierte Theo Schab­müller (SPD). Die Ersparnis von Zeit und Geld für die Ausbringung sprach Bürgermeister Fritz Mathes (Freie Wäh­ler) an. Es seien von der Stadt Wände angeschafft und ausreichend vorhan­den, die verwendet werden könnten. Nach den Aufstellungskosten fragte Hans-Toni Sorcan.
  „Das können Sie aus der Portokasse zahlen“, antwortete der Bürgermeister. Er meinte dann aber, dass das Thema „zu ernst ist“ und kam zur Abstim­mung. Acht Räte, darunter „Freie“, Grü­ne und FDP stimmten für den Antrag, 17 Gremiumsmitglieder dagegen.

REGELUNG IN ABENSBERG

> In der Sondernutzungssatzung der Stadt Abensberg ist nach Auskunft von Verwaltungsfachangestelltem Stefan Selbeck in Paragraf 5 die Plakatanzahl gere­gelt.
Parteien und Wählergruppen können an­lässlich von Wahlen und Abstimmungen in Abensberg bis zu 20 Plakattafeln anbringen. Das gilt für jede Partei und jede Wählergruppe.
In den Stadtteilen Arnhofen. Hörlbach, Holzharlanden und Pullach können bis zu drei Plakattafeln und in Offenstetten und Sandharlanden bis zu acht Plakattafeln aufgestellt werden. Mit Plakattafeln sind Wahlplakate gemeint. (eb)

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